None

Erlau: engagierte Kameraden, solides Handwerk, fehlende Radwege

Zum Kommunaltag führte Bürgermeister Peter Ahnert den Landrat und dessen Kollegium durch seine Gemeinde, zeigte Erfolge und teilte seine Sorgen.
In den Räumen der Firma Optogon in Erlau tanzt heutzutage nur noch der Laser über Holz, Glas, Stein oder Metall. Wandbemalung und Theke erinnern an die frühere Nutzung als Discothek. Seit rund zehn Jahren führt Mirko Jedynak das Unternehmen erfolgreich am Standort Erlau, hat Kunden in Deutschland und dem europäischen Ausland. „Wir erarbeiten kundenorientierte Lösungen, auch für Kleinserien“, erläuterte Jedynak und demonstrierte den Anwesenden die Gravur eines Glases mit Motiven aus der Gemeinde. Ein flexibler Problemlöser in der Metallbearbeitung ist das Familienunternehmen „Mechanische Werkstatt Christoph Müller“. Die sechs Mitarbeiter fertigen Einzelteile oder kleine Stückzahlen an den Maschinen. „Dabei ist permanente Aufmerksamkeit gefragt. Der Job ist körperlich anstrengend, Fachkräfte sind rar“, so Geschäftsführerin Manuela Müller-Klingenberger.
In der Bäckerei Sachse werden am Standort Erlau rund 80 Prozent aller Backwaren für die sieben Filialen Nacht für Nacht von sieben Bäckern frisch hergestellt. Die übrigen 20 Prozent werden in Mittweida gefertigt. Geschäftsführer Daniel Sachse wies auf Umsatzeinbußen infolge von langen Straßenbauarbeiten hin. „Wenn es zu lange dauert, verlieren wir die Kunden dauerhaft“, so seine Botschaft, verbunden mit der Bitte, die Belange der anliegenden Gewerbetreibenden bei Straßenbauarbeiten immer mit im Blick zu haben.
Sanierung der Kreisstraßen im kommenden Jahr
Erlaus Bürgermeister Peter Ahnert ist stolz auf die Unternehmen in seiner Gemeinde: „Wir haben zahlreiche, solide Handwerksbetriebe unterschiedlicher Gewerke. Tourismus spielt bei uns leider keine relevante Rolle.“ Die Tatsache, dass die Bemühungen zur Weiterführung des Radweges Waldheim – Rochlitz ins Stocken geraten, wirke dem nicht unbedingt entgegen. Bisher verläuft dieser auf dem ehemaligen Gleisbett der Bahnstrecke, soll aber zwischen der Obstmühle Sachsendorf und der Ortslage Döhlen auf öffentlicher Straße weiterführen. Diese ist nach Auffassung der Gemeinde dafür jedoch zu schmal. „Die Fachunterlagen befinden sich beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr zur Prüfung. Die alte Bahntrasse ist nach aktueller Rechtslage aus Kosten-, Planungs- und Artenschutzgründen jedoch problematisch. Wir bleiben aber an dem Thema dran“, so die zuständige Geschäftsbereichsleiterin im Landratsamt Pia Weißenberg. Sie stellte jedoch zwei Kreisstraßenbaumaßnahmen für kommendes Jahr in Aussicht: Den grundhaften Ausbau der K 8273 zwischen Tanneberg und Ortseingang Crossen sowie die Fahrbahnerneuerung der K 8270 in Milkau. Dort wird die Kommune zwischen Funkenmühle und Brücke zudem einen neuen Fußweg errichten.
Während der Rundfahrt durch die Ortsteile sprach Bürgermeister Ahnert auch die Themen Windkraft, das gute Vereinsleben und funktionierende Feuerwehrwesen, die Gesundheitsversorgung sowie Probleme mit dem Zustand der drei Bahnbrücken im Gemeindegebiet an. „Geht es nach der Bahn, können die Brücken weg. Für die Menschen hier sind sie jedoch wichtige Ortsverbindungen“, so Ahnert. Da die Bahn ihr Einvernehmen nicht erteilt, gäbe es für die dringend erforderlichen Instandsetzungen jedoch nur eine 60-prozentige Förderung anstatt der Komplettübernahme der Kosten. „Das stellt uns als Kommune vor eine unlösbare Aufgabe“, verdeutlichte der Bürgermeister.
Ein Besuch der Evangelischen Werkschule Milkau rundete die Stippvisite in der Gemeinde ab. 238 Schülerinnen und Schüler, die zum Großteil aus dem Einzugsgebiet Rochlitz, Geringswalde, Mittweida kommen, werden in Milkau nach dem Konzept „mit Herz, Hand und Verstand“ von 30 Lehrkräften unterrichtet. Die Berufsvorbereitung nimmt einen hohen Stellenwert ein: In den Klassen 5 bis 7 steht unter dem Titel „Arbeitswelt“ die handwerkliche Ausbildung im Stundenplan. Ab Klasse 8 arbeiten die Jugendlichen einen Tag pro Woche und Halbjahr in einem Handwerksbetrieb ihrer Wahl.
Zukunft der Förderschule Schweikershain thematisiert
Am Abend waren die Einwohnerinnen und Einwohner zum Gespräch geladen. Ein wichtiges Thema war vor allem die Gemeinde als Bildungsstandort. Konkret ging es um die Zukunft der Förderschule in Schweikershain. Die Kommune befürchtet eine Schließung. Der 1. Beigeordnete Dr. Christoph Trumpp führte aus: „Wir müssen unseren Immobilienbestand konsolidieren. Gerade im Bereich der Schulen gibt es im ganzen Landkreis einen erheblichen Investitions- und Instandhaltungsstau. Wenn wir eine Schule betreiben, sind wir in der Verantwortung, moderne Bildung zu gewährleisten.“ Die Schule in Schweikershain weise Mängel in Bezug auf die aktuellen Erfordernisse des Brandschutzes auf. Rund acht bis neun Millionen Euro müssten investiert werden, um alle zu beseitigen. „Um eine sofortige Schließung zu vermeiden, lassen wir die notwendigsten Arbeiten ausführen. Das sichert den Bestand auf jeden Fall bis zum Jahr 2030.
Parallel schauen wir uns jedoch in der Region Rochlitz die Schulstruktur der Förderschulen an“, so Dr. Trumpp. In Abstimmung mit dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) werde überlegt, in Rochlitz ein Förderschulzentrum, bestehend aus der Wilhelm-Pfeffer-Schule Rochlitz und der Pestalozzischule Rochlitz, zu bilden. Die Förderschule Schweikershain würde dann an den heutigen Standort der Pestalozzischule Rochlitz umziehen können. Eine Zusammenführung von Förderschulen mit den Schwerpunkten sozial-emotional und geistige Entwicklung werde es nicht geben, weil sich unterschiedliche Anforderungen an Pädagogik, Raumgestaltung und Ausstattung stellen.
Landrat Sven Krüger erklärte: „Wir sind an einem frühen Punkt dieses Prüfprozesses. In diesen binden wir die Schulleitungen und Lehrkräfte ein. Es gab bereits vergangene Woche Freitag ein gemeinsames Gespräch mit den Schulen, unserem Haus und dem Lasub. Selbstverständlich werden dabei auch Alternativen geprüft.“ Die finale Entscheidung liege beim Freistaat Sachsen. „Wir möchten Schulen in Gänze sanieren, um langfristig energieeffiziente Gebäude und positive, moderne Lehr- und Lernbedingungen zu schaffen“, so Krüger.
Für die Schüler- und Lehrerschaft der Schweikershainer Förderschule hatten Krüger und Dr. Trumpp zum Kommunaltag noch eine positive Nachricht im Gepäck: Ein neuer Spielplatz wird gebaut. Für rund 35.000 Euro wird ein Spielgerät mit Schaukel und Klettermöglichkeiten beschafft. Spätestens ab dem kommenden Frühjahr kann es genutzt werden.